INCI-Liste lesen

Wie du eine INCI-Liste lesen kannst, ohne Chemiker zu sein

Wenn ich von Inhaltsstoffen spreche, höre ich häufig denselben Satz: „Diese langen Begriffe verstehe ich sowieso nicht.“ Und ganz ehrlich? Damit bist du nicht allein. Lateinische Pflanzennamen, chemisch klingende Bezeichnungen und lange Listen wirken auf den ersten Blick eher abschreckend als hilfreich. Dabei musst du keine Chemikerin sein, um eine Rezeptur besser einschätzen zu können. Schon ein paar einfache Grundlagen helfen dabei, Hautpflege bewusster auszuwählen.

INCI ist die Abkürzung für „International Nomenclature of Cosmetic Ingredients“. Das klingt zunächst kompliziert, bedeutet aber nichts anderes als die internationale Bezeichnung für die Inhaltsstoffe eines Kosmetikproduktes. Der große Vorteil: Egal, ob du deine Pflege in Deutschland, Italien oder einem anderen Land kaufst – die Inhaltsstoffe werden nach denselben Regeln angegeben.

Viele Menschen wissen gar nicht, dass die Reihenfolge der Inhaltsstoffe bereits eine wichtige Information liefert. Die Bestandteile mit dem größten Anteil stehen grundsätzlich am Anfang der Liste. Je weiter hinten ein Inhaltsstoff erscheint, desto geringer ist seine Konzentration im Produkt. Natürlich gibt es Ausnahmen, doch diese Reihenfolge vermittelt bereits einen guten ersten Eindruck von einer Rezeptur.

Lass dich dabei nicht von kompliziert klingenden Namen verunsichern. Viele pflanzliche Inhaltsstoffe tragen ihre botanischen Bezeichnungen, auch Vitamine oder hochwertige Wirkstoffe klingen oft chemisch, obwohl sie für die Haut sehr wertvoll sein können. Ein schwieriger Name bedeutet also nicht automatisch, dass ein Inhaltsstoff schlecht oder bedenklich ist.

Besonders spannend finde ich den Vergleich zwischen Vorder- und Rückseite eines Pflegeproduktes. Auf der Vorderseite lesen wir häufig Aussagen wie „mit Hyaluron“, „mit Aloe Vera“ oder „mit Vitamin C“. Wie bedeutend diese Wirkstoffe tatsächlich für die Rezeptur sind, lässt sich oft erst durch einen Blick auf die INCI-Liste besser einschätzen. Deshalb schaue ich persönlich immer zuerst auf die Rückseite. Dort beginnt für mich die eigentliche Geschichte eines Pflegeproduktes.

Ich glaube nicht, dass jeder Mensch jede Inhaltsstoffliste auswendig kennen muss. Aber ich bin überzeugt, dass Wissen Sicherheit schenkt. Schon wenige Grundlagen helfen dabei, Werbeversprechen besser einzuordnen und bewusstere Entscheidungen für die eigene Haut zu treffen. Gute Hautpflege beginnt für mich deshalb nicht mit schönen Worten auf der Verpackung, sondern mit einem ehrlichen Blick auf das, was tatsächlich darin steckt.

Im nächsten Balance Blickwinkel gehen wir einer Frage nach, die immer wieder gestellt wird: Ist Naturkosmetik automatisch die bessere Hautpflege – oder steckt die Antwort auch hier in einem genaueren Blick auf die Rezeptur?