Mentaltraining im Alltag

„Du musst nicht alles glauben, was du denkst!“ oder „Warum unser Kopf aus Vermutungen manchmal erstaunlich schnell Tatsachen macht…“

Diese Story ist Teil einer Geschichte, die mir erst letzte Woche selbst passiert ist: Eine Whats App Nachricht wurde gelesen.

Keine Antwort.

Eine Stunde vergeht.

Noch eine.

Und irgendwann taucht vielleicht der erste Gedanke auf:

„Komisch …“

Kurz darauf:

„Habe ich etwas Falsches geschrieben?“

„Ist die Person vielleicht sauer?“

Oder sogar:

„Na toll. Dann weiß ich ja Bescheid.“

Dabei wissen wir zu diesem Zeitpunkt erstaunlich wenig.

Eigentlich nur:

Wir haben noch keine Antwort bekommen.

Alles andere sind zunächst Gedanken, Bewertungen und mögliche Interpretationen. Genau diese kleine Unterscheidung führt mitten hinein in ein spannendes Gebiet des Mentaltrainings. Unser Gehirn kommentiert unseren Alltag und wir nehmen Situationen nicht einfach nur wahr. Wir geben ihnen häufig schnell und automatisch eine Bedeutung und manchmal bemerken wir das kaum.

Ein Kollege grüßt morgens nicht und wir denken: „Ganz schön unfreundlich.“ Du betrittst einen Raum und zwei Menschen beenden genau in diesem Moment ihr Gespräch – kommt der Gedanke, ob die zwei über dich gesprochen haben?

Könnte das ein Fehler sein? Zwischen einem Ereignis und unserer Interpretation kann ein wichtiger Unterschied liegen – vielleicht hat uns der Kollege einfach nicht gesehen. Oder das Gespräch der beiden war sowieso beendet?

Dennoch können sich unsere Gedanken sehr wahr anfühlen. Nehmen wir einen Satz wie: „Ich kann das nicht.“ Vergleichen wir ihn mit: „Ich denke gerade, dass ich das nicht kann..“ Obwohl sich die Ausgangslage nicht verändert hat, passiert sprachlich etwas interessantes. Während im ersten Satz „unser Urteil“ scheinbar feststeht, wird im zweiten sichtbar, das es sich um eine Gedanken handelt, der überprüft werden kann.

Stimmt der Satz wirklich? Welche Fakten sprechen dafür? Welche dagegen? Gibt es noch eine andere mögliche Betrachtungsweise?

Mentaltraining bedeutet nicht „positiv denken“, das ist ein wichtiger Unterschied – denn schwierige Situationen sollen wir uns nicht schönreden. Wenn wir ein unangenehmes Erlebnis erfahren, bleibt es unangenehm. Enttäuschungen enttäuschen und wenn wir einen miesen Tag haben, können wir ihn auch nicht mit drei positiven Glaubenssätzen in einen „großartigen Tag“ verzaubern.

Interessanter ist jedoch die Frage: Welche zusätzliche Geschichte erzähle ich mir über das, was passiert ist?

Aus: „Ich habe einen Fehler gemacht.“ kann beispielsweise werden: „Ich mache immer alles falsch.“

Aus: „Meine Idee wurde abgelehnt.“ wird: „Meine Ideen interessieren sowieso niemanden.“

Und aus: „Ich weiß noch nicht, wie das funktioniert.“ wird: „Das werde ich niemals schaffen.“

Findest du dich evtl in dem ein oder anderen Satz wider? Genau solche automatischen Gedanken und Bewertungen überhaupt wahrzunehmen, kann einen ersten Handlungsspielraum eröffnen.

Wir haben einen inneren Autopilot und oftmals sind Automatisierungen grundsätzlich sinnvoll. Stell`dir vor, unser Gehirn müsste jeden Morgen neu lernen, wie Zähneputzen, Autofahren oder Kaffeekuchen funktioniert – OHA.

Genauso können auch Denkweisen zu gewohnten Wegen werden. Vielleicht kennst du solche inneren Sätze wie „Ich muss es allen recht machen…..Ich darf keinen Fehler machen…..„Ich muss das alleine schaffen….„Erst wenn alles erledigt ist, darf ich mich ausruhen…..“

Wenn diese Sätze lange genug in uns mitlaufen, nehmen wir sie möglicherweise kaum noch bewusst wahr.

Aus meiner Sicht beginnt genau deshalb Mentaltraining nicht unbedingt mit dem Versuch, anders zu denken – sondern zunächst mit dem Bemerken dessen, was wir ohnehin den ganzen Tag denken.

Eine kleine Frage für deinen Alltag: Wenn dich in den nächsten Tagen ein Gedanke stresst, verunsichert oder ärgert, probiere einmal etwas aus. Frage dich: „Weiß ich das gerade wirklich – oder denke ich es nur?“

Natürlich wird sich dadurch nicht jeder Gedanke verändern und das muss er auch nicht. Aber vielleicht entsteht für einen Moment ein kleiner Abstand zwischen dem, was passiert ist und der Geschichte, die dein Kopf daraus macht?

Das ist nämlich der Moment, in dem du deinen eigenen Autopiloten unterbrichst!

Mentaltraining findet in meiner aktuellen HerbstBalance einen ganz eigenen Platz und ergänzt die Themenwelt rund um Stress & Resilienz, Meditation und systemisches Coaching. Wenn du Lust auf mehr als einen Gedanken-Impuls hast, bist du herzlich in die Balance Akademie eingeladen. .